Ein Blatt, ein Fenster, ein Blau, das vor der Fotografie da war
Du legst ein Blatt, einen Farn oder eine Blüte auf das lichtempfindliche Papier, beschwerst es leicht und stellst es in die Sonne oder einfach ins Freie an einen hellen Ort.
Dann wartest du. Ein paar Minuten, je nachdem, wie viel UV-Licht gerade durchkommt — ein bewölkter Tag funktioniert oft besser als ein sonniges Fenster, weil Glas einen Großteil des UV-Lichts abhält.
Zum Schluss spülst du das Papier unter klarem Wasser ab. Kein Fixierbad, keine Chemie danach — Wasser reicht, um das Bild sichtbar zu machen. Was bleibt, ist ein scharfer, heller Abdruck deines Fundstücks auf tiefem Preußischblau.
Zwischenmoment hat dieses Set aufgenommen, weil der Prozess selbst schon die Pause ist: raus, etwas finden, hinlegen, warten. Das Ergebnis kommt danach — nicht umgekehrt.
Was drin steckt
- Lichtempfindliches Papier für Sonnendrucke
Kleine Objektkunde
Cyanotypie ist älter, als die meisten denken: Sir John Herschel entwickelte das Verfahren 1842 — vor Rollfilm, vor jeder Kamera, wie wir sie kennen. Bekannt gemacht hat es keine Fotografin, sondern die Botanikerin Anna Atkins, die in den 1840er-Jahren Algen damit katalogisierte und so das erste fotografisch illustrierte Buch der Geschichte schuf. Das satte Blau trägt einen eigenen Namen, Preußischblau, und dieselbe Chemie steckt hinter dem technischen Begriff "Blueprint" — Architekten und Ingenieure kopierten damit über ein Jahrhundert lang technische Zeichnungen.
Mach einen Moment daraus
Nimm das Set mit auf einen kurzen Spaziergang und such unterwegs nach einem Blatt oder einer Blüte, die dir auffällt – der Rest passiert von selbst, sobald du wieder zu Hause oder auf dem Balkon bist und das Papier in die Sonne legst.
Häufige Fragen
Was ist Cyanotypie?
Ein lichtempfindliches Kontaktdruckverfahren aus dem 19. Jahrhundert: UV-Licht verändert die Beschichtung des Papiers überall dort, wo kein Objekt darauf liegt, und erzeugt so einen Negativabdruck in Preußischblau.
Was ist im Set enthalten?
Lichtempfindliches Sonnendruckpapier und eine Anleitung auf Englisch.
Was brauche ich zusätzlich?
Ein Objekt zum Auflegen — ein Blatt, ein Farn, eine Blüte oder etwas anderes Flaches — sowie einen Ort mit ausreichend UV-Licht und Wasser zum Abspülen danach.
Funktioniert das auch bei bewölktem Himmel?
Ja. Der Prozess reagiert auf UV-Licht, nicht auf sichtbare Helligkeit — UV kommt auch durch Wolken. Fensterglas dagegen blockiert einen Großteil davon, weshalb ein sonniger Platz direkt hinter der Scheibe oft zu schwachen Ergebnissen führt.
Muss das Ergebnis noch fixiert werden?
Nein. Anders als bei klassischen fotografischen Abzügen genügt klares Wasser, um das Bild zu fixieren — kein Fixierbad, keine Dunkelkammer.
Schau in die Anleitung, wenn du wissen möchtest, was Sonnenlicht und ein Blatt auf blauem Papier hinterlassen können
Ein Fund von draußen, ein Stück Himmel aus dem 19. Jahrhundert, und ein Blau, das seinen eigenen Namen hat.