Ich weiß nicht mehr, wann ich zuletzt die Rollläden richtig oben hatte.
Nicht nur einen Spalt.
Nicht kurz zum Lüften.
Richtig oben.
Die Hitze kommt immer wieder. Also bleibt die Wohnung im Verteidigungsmodus. Fenster zu. Licht draußen lassen. Möglichst wenig bewegen.
Gestern Abend war es kurz etwas kühler.
Nicht frisch.
Sagen wir: verhandelbar.
Also bin ich mit einer Freundin spazieren gegangen. Eine kleine Runde. Wirklich klein. Der sportliche Ehrgeiz wurde direkt am Parkeingang zurückgelassen.
Wir sind von Schatten zu Schatten gelaufen.
Nicht elegant. Eher wie zwei Menschen, die innerlich mit der Sonne verhandeln.
Da vorne unter den Baum.
Nein, lieber links.
Okay, Biergarten als Ziel.
Das war dann auch das ehrlichere Konzept.
Weil wir nach Schatten gesucht haben, habe ich viel nach unten geschaut. Auf den Boden. Auf die Risse in der Erde. Auf Äste, die der letzte starke Wind heruntergeholt hatte. Auf Blätter, die schon braun waren, obwohl es noch gar nicht ihre Zeit war.
Es sah nicht dramatisch aus.
Eher still erschöpft.
Ich habe ein paar Blätter aufgehoben und in mein Buch gelegt.
Ohne Plan. Ohne hübsches Arrangement. Einfach zwischen zwei Seiten, bevor ich weiterging.
Später saßen wir im Biergarten. Es gab ein Getränk, ein Gespräch, ein bisschen Luft, die nicht aus einem Ventilator kam.
Und im Buch lagen die Blätter.
Ein kleiner Beweis, dass ich draußen war. Dass es diesen Abend gab. Dass die Pause nicht perfekt sein musste, um zu bleiben.
Schatten.
Staubige Schuhe.
Ein kurzer Weg.
Braune Blätter im August.
Mehr war es nicht.
Aber das reicht manchmal.