Die Pause, die plötzlich länger blieb

Die Pause, die plötzlich länger blieb

Ich wollte eigentlich nur kurz etwas mit den Händen machen.

Nicht „jetzt nehme ich mir bewusst zwei Stunden für Kreativität“. Nicht mit Tee, Playlist und guter Absicht. Eher: kurz weg vom Bildschirm. Eine kleine Unterbrechung, bevor ich wieder weitermache.

Also habe ich mit dem Papierblumen-Strauß aus Feldblumen angefangen.

Die ersten Blüten schienen leicht. Papier in die Hand, Faden zurechtschneiden, durch die kleinen Schlitze ziehen. Dann kam dieser Moment, in dem ich beim Einfädeln plötzlich genauer hinschaute. Welcher Schlitz zuerst? Wie sitzt die Blüte besser? Warum will dieser Draht gerade nicht so, wie ich will?

Und ohne dass ich es bemerkt hatte, waren zwanzig Minuten weg.

Zwei Blumen waren fertig. Die Arbeit wartete leider noch. Aber das Seltsame war: Ich hatte in diesen zwanzig Minuten überhaupt nicht an sie gedacht. Nicht einmal kurz. Mein Kopf war bei den Blüten, beim Faden, bei diesem kleinen Problem direkt vor mir.

Es war keine große Erholung. Keine Verwandlung. Eher eine nette Mini-Herausforderung, die alles andere für einen Moment leiser gemacht hat.

Nach Feierabend habe ich weitergemacht. Mit jeder Blume wurde es schneller. Man bekommt irgendwann ein Gefühl dafür, wie der Faden laufen muss und wie viel Papier sich drehen darf, bevor es komisch aussieht.

Und dann kam das Arrangieren.

Blumen zu machen und einen Strauß zu arrangieren, sind offenbar zwei völlig verschiedene Fähigkeiten. Mein Gehirn wurde ein bisschen Wackelpudding. Ich schob Blüten hin und her, stellte sie in eine Vase, nahm sie wieder heraus. Es sah nicht besonders gut aus. Zumindest nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Vielleicht muss eine Pause auch nicht immer erfolgreich sein. Vielleicht darf sie schief aussehen, unfertig bleiben oder aus einem ziemlich eigenwilligen Papierblumenstrauß bestehen. Hauptsache, sie bringt einen für eine Weile aus dem eigenen Arbeitskopf heraus.